Die Umweltdruckerei D.O.G. Lokay aus Reinheim bei Darmstadt macht einiges anders als der Durchschnitt der Branche. Sie richtet ihr Handeln beispielsweise nach sozialen und ökologischen Kriterien aus und macht dies mit einer Gemeinwohl-Bilanz transparent. Wie die Transformation von einem konventionellen zu einem nachhaltigen Unternehmen gelang und worauf es bei klimafreundlichen Kommunikationsmaterialien ankommt, erzählt Ökodruckpionier Ralf Lokay.
Was machen Sie anders als andere Druckereien?
Schon seit Ende der 1990er Jahre wirtschaften wir mit einem ganzheitlichen Ansatz. Angefangen haben wir bei den Mitarbeitenden. Wir haben uns gefragt: Was ist nötig, damit sie gesund bleiben? Über den Arbeits- und Gesundheitsschutz sind wir dann zum Umweltschutz gekommen und haben eine Klimastrategie entwickelt. Unser Ansatz war, Bewusstsein für das Thema zu schaffen sowie Emissionen zu vermeiden oder zumindest zu verringern.
Wie ging Ihr Weg zu einem ökologisch verantwortungsvollen Unternehmen weiter?
Wir haben geschaut, wie wir in Sachen Umweltschutz aufgestellt sind und womit wir am einfachsten beginnen können. Dann haben wir das nach und nach umgesetzt: Wir sind auf Ökostrom umgestiegen, haben die Dächer und Fassaden gedämmt und unsere Fenster gegen 3-fach-verglaste ausgetauscht. Seit 2014 benötigen wir keine fossilen Brennstoffe mehr: Wir haben eine Wärmepumpe, heizen mit der Abwärme unserer Druckmaschinen und können unsere Räume im Sommer kühlen.
Außerdem haben wir unsere Lieferketten analysiert: Wir trinken zum Beispiel fair gehandelten Kaffee und unsere Arbeitskleidung ist von Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und Mitglied von Fair Wear sind, einer Organisation für soziale Standards in der Textilproduktion. Unseren Mitarbeitenden zahlen wir das Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr oder wir sponsern ihnen ein Fahrrad, wenn dafür das Auto stehenbleibt.
Und wie sieht es bei den Produkten aus, die Sie herstellen?
Parallel zu den Umweltthemen begannen wir, uns auch damit intensiv zu beschäftigen: 2007 brachten wir eine eigene Papierkollektion aus Recyclingpapier heraus. Heute drucken wir zu über 65 % auf Recyclingpapier. Seit 2017 sind wir mit dem Blauen Engel zertifiziert, dem Umweltzeichen der Bundesregierung mit anspruchsvollen Kriterien. Wir bieten also auch mit dem Blauen Engel zertifizierte Printprodukte an, zum Beispiel Broschüren, Flyer, Plakate und Postkarten. Seit 2020 haben wir zudem die Cradle-to-Cradle-Zertifizierung, das heißt unsere Produkte lassen sich komplett wiederverwerten, sie sind kreislauffähig und schaden nicht der Natur.
2024 haben Sie für Ihr Unternehmen zusätzlich eine Gemeinwohl-Bilanz gemacht, die Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Transparenz in den Fokus rückt. Ist das im Druckerei-Alltag spürbar?
Die Bilanzierung nach der Gemeinwohl-Ökonomie rundet unser Engagement ab. Durch die intensive Beschäftigung mit allen Facetten des Unternehmens und sämtlichen Berührungsgruppen, wie Lieferant*innen, Mitarbeitenden und Kund*innen, wissen wir genau wo wir stehen und wie wir uns weiterentwickeln können. Einige Fragen hatten wir uns tatsächlich noch nicht gestellt, etwa die innerbetriebliche Möglichkeit zur Mitentscheidung oder die Sinnhaftigkeit und gesellschaftliche Wirkung unserer Produkte. Die Gemeinwohl-Bilanzierung kommt vor allem bei unseren jüngeren Mitarbeitenden gut an. Sie hilft uns dabei, transparent und authentisch zu sein.
Alles Wichtige auf einen Blick
Ökologische Printprodukte – darauf kommt‘s an:
- Recyclingpapier
- ökologische Druckfarben (z. B. auf Pflanzenölbasis, beim Recyceln einfach vom Papier zu trennen), ökologische Reiniger und Kleber
- wenig Papierabfall, geringer Wasser- und Energieverbrauch, geringe Lösemittel-Emissionen (z. B. Verzicht auf Isopropylalkohol)
- Strom aus erneuerbaren Energiequellen (mit Förderung neuer Anlagen)
- ganzheitlich nachhaltige Ausrichtung der Druckerei (Lieferkette, Mobilität, Verpflegung etc.)
- Zertifikate der Druckerei und evtl. des einzelnen Printprodukts, z. B. Blauer Engel, ECOnGOOD (Gemeinwohl-Ökonomie), Cradle to Cradle
- aktive Information der Kund*innen über umweltfreundliche Produkte und Produktionsweisen
- Ausgleich unvermeidbarer Emissionen durch Förderung (regionaler) Klimaschutzprojekte
- Auflagenhöhe gut kalkulieren: nur so viel drucken wie man tatsächlich braucht
- Kurze Transportwege: regional drucken
Einen Überblick über sämtliche gemeinwohl-bilanzierte Unternehmen erhalten Sie hier: germany.econgood.org/tools/gemeinwohl-berichte. Bei „Branche“ können Sie nach „Druck/Papier/Verpackung“ filtern. Eine weitere Druckerei mit aktuellem Testat der Gemeinwohl-Ökonomie ist ZABELDruck in Radolfzell.
Die 91 Druckereien mit dem Umweltzeichen Blauer Engel finden Sie hier: www.blauer-engel.de/de/produktwelt/druckerzeugnisse.



