Die Grundlage für einen Nachhaltigkeitsbericht gemäß der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist immer die „doppelte Wesentlichkeitsanalyse“. Deren Fragestellungen sind für viele Unternehmen bereits eine große Herausforderung. Wir haben die Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen zusammengestellt, denen wir in unseren Beratungen begegnen. So gelingt Ihnen ein erfolgreicher Start ins Nachhaltigkeitsmanagement.
Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse (DWA) ist essenziell für einen Nachhaltigkeitsbericht gemäß der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und steht am Anfang des Berichtsprozesses. Sie beantwortet, welche Auswirkungen das Unternehmen auf seine Berührungsgruppen hat, welchen Risiken es ausgesetzt ist und wo seine Chancen liegen – und sie stellt die Weichen für die gesamte Berichterstattung, denn mit ihr bestimmt das Unternehmen, welche der rund 1.100 Fragen überhaupt wesentlich, also berichtswürdig, sind. Somit ist die DWA das Fundament aller künftigen Nachhaltigkeitsberichte. Damit es stabil wird, haben wir die fünf häufigsten Fragen aus unseren Beratungen für Sie zusammengestellt:
1. Die Wertschöpfungskette: Wo zieht man die Grenze?
Eine oft gestellte Frage ist, bis zu welcher Stufe Unternehmen ihre vorgelagerte Wertschöpfungskette betrachten müssen. Die Antwort ist zunächst einfach: Bis dorthin, wo sie keinen Einfluss mehr auf die Produktionsschritte haben. Für viele mittelständische Unternehmen ist das in der Regel die erste Stufe vor und nach den eigenen Geschäftsaktivitäten. Gleichzeitig dürfen aber die Auswirkungen in vorgelagerten Wertschöpfungsstufen nicht komplett ausgeblendet werden. Ein Bauunternehmen, das beispielsweise seine Grenzen bei den Lieferant*innen von Baumaterialien zieht, sollte dennoch den Abbau der Rohstoffe für diese Materialien (z. B. Holz, Steine) im Rahmen der Analyse berücksichtigen und bewerten.
2. Themen-Check: Was darf man weglassen?
Die ESRS enthalten eine Liste der Nachhaltigkeitsthemen, die berichtet werden müssen. Doch nicht jedes Thema ist für jedes Unternehmen relevant. Sie dürfen ganze Teilthemen auslassen, wenn es offensichtlich ist, dass Auswirkungen, Risiken und Chancen das eigene Unternehmen nicht betreffen. So muss sich beispielsweise ein IT-Dienstleistungsunternehmen nicht mit Wasser- und Meeresressourcen beschäftigen. Fokussieren Sie sich auf das, was für Sie wesentlich ist.
3. Genau abwägen: positive Auswirkung oder Maßnahme?
Ein Nachtrag der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) stellt klar: Minderungen negativer Auswirkungen dürfen nicht als positive Auswirkungen berichtet werden. Wenn beispielsweise ein Unternehmen durch eine Maßnahme wie eine Fotovoltaikanlage den CO2-Ausstoß reduziert, ist das zwar eine positive Entwicklung, aber keine positive Auswirkung im Sinne der DWA. Solche Minderungen können jedoch als Maßnahmen und Fortschritte zur Zielerreichung berichtet werden.
4. Schwellenwerte definieren: ein kritischer Punkt
Es gibt keine konkreten Vorgaben der ESRS zur Festlegung der Schwellenwerte, mit denen die Auswirkungen, Risiken und Chancen gemessen werden. Die Schwellenwerte sollten jedoch keine Zahlen ohne Kontext sein. Damit sie für die Wirtschaftsprüfenden nachvollziehbar sind, ist es entscheidend, dass die Schwellenwerte in einem klaren Zusammenhang mit den finanziellen Kennzahlen des Unternehmens stehen. Dies ermöglicht eine objektive und transparente Bewertung der wesentlichen Themen im Rahmen der DWA. Hier sind einige bewährte Methoden zur Definition von Schwellenwerten, die sowohl in der Umsetzung als auch in der Wirtschaftsprüfung überzeugen:
- 5 % des Gewinns vor Steuern oder
- 0,5 % der Bilanzsumme oder
- 1 % des Eigenkapitals oder
- 0,5 % der Gesamteinnahmen.
Eine gute Orientierung, um realistische Schwellenwerte zu definieren, ist die Frage, ab wann bei der Geschäftsführung bei welcher Kennzahl die Alarmglocken läuten.
5. Finanzielle Wesentlichkeit: schwierig zu bewerten
Die Schätzung des finanziellen Werts eines Risikos oder einer Chance ist eine komplexe Angelegenheit, die eine fundierte Methodik erfordert. Oftmals sind zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen und miteinander in Beziehung zu setzen. Nehmen wir das Beispiel Fachkräftemangel: Ein Unternehmen kann offene Stellen aufgrund fehlender geeigneter Kandidat*innen nicht besetzen. Dies erzeugt Kosten. Um das Risiko finanziell zu bewerten, gibt es verschiedene Ansätze: Eine Möglichkeit ist, die Auswirkungen auf den Umsatz zu betrachten. Hierbei wird die Anzahl unbesetzter Stellen mit dem durchschnittlichen Umsatz pro Mitarbeiter*in multipliziert. Diese Kennzahl verdeutlicht das potenziell entgangene Umsatzvolumen und ermöglicht eine Quantifizierung des Risikos.
Die CSRD und die doppelte Wesentlichkeitsanalyse sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft. Nutzen Sie die DWA als Chance, Ihr Unternehmen zukunftsorientiert auszurichten und einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.
Autoren:
Carmelo Sessa (envite consulting), Dr. Oliver Viest
Gerne unterstützen wir Sie in Kooperation mit unserem Partner envite consulting bei Ihrer DWA und Ihrem Nachhaltigkeitsbericht. Unsere gemeinsamen Schwerpunktgebiete sind Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.
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